Allgemein Andacht Bibel

An(ge)dacht

Liebe Leser,

seit einigen Wochen beschäftigen wir uns als Gemeinde (FeG Extertal) mit der Reformation und machen dabei manche wertvolle Entdeckung. Aber auch abseits ausgetretener theologischer Pfade lassen sich immer wieder interessante Beobachtungen machen. So spielte die Musik in der Reformation von Anfang an eine wichtige Rolle. Luther erkannte in ihr sehr früh „eine besondere Gabe Gottes“. Sie half  ihm durch schwermütige Phasen und öffnete seinen Geist immer wieder für das ermutigende Reden Gottes. Anlass für sein erstes Lied war allerdings etwas weniger Heiteres: Am 01.07.1523 werden in Brüssel auf dem Marktplatz zwei junge Augustinermönche öffentlich verbrannt, die sich zur lutherischen Lehre bekannt hatten. Der Tod dieser ersten Märtyrer der Reformation veranlasst Luther, einen offenen Brief an die Christen in den Niederlanden zu schreiben und dem Schreiben ein Protestlied beizulegen. Dieses Lied ist der Anfang seiner Musiker – und Dichterkarriere.

Bald erwuchs in ihm ein Plan: Im Januar 1524 schreibt er in einem Brief an seinen Freund Spalatin: „Wir planen … deutsche Psalmen zu dichten, geistliche Gesänge, damit Gottes Wort auch gesungen im Volk lebe. Darum suchen wir allenthalben Dichter … dafür muss man ganz schlichte, landläufige, aber zugleich immer saubere und treffende Ausdrücke wählen, und der Sinn sollte klar und möglichst psalmgetreu sein. Daher muss man frei und ohne Rücksicht auf den Wortlaut den Sinn durch andere geeignete Worte übertragen.“

Die Resonanz auf Luthers Aufruf war erstaunlich. Überall fanden sich Liedermacher, die in wenigen Jahren das Kirchenliedgut komplett veränderten. Es wurde „deutsch“ getextet und zwar nach der Lutherdevise „dem Volk aufs Maul zu schauen“. Auch Melodien von Volksliedern und Gassenschlagern konnte man gebrauchen. 1524 wurde von Johann Walter das erste evangelische Gesangbuch herausgegeben. Geistliches Leben und Tiefgang war diesen neuen Songs anzuspüren. Luther war das wichtig, so schrieb er: „Es muss beides, Text und Noten, Sprache und Weise aus der Muttersprache kommen, sonst ist alles nur ein Nachmachen, wie es die Affen tun.“

Die Reformation wurde durch Gesang verbreitet, und ihr Erfolg ist ohne die Lieder nicht zu verstehen. Die Lutherlieder sind oft schneller vor Ort, als der Reformator selbst und öffnen ihm mancherorts die Tür. In Lübeck standen Studenten mitten im katholischen Gottesdienst auf und sangen  „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Was war Luther am Singen wichtig? Er versprach sich eine missionarische Wirkung durch die Verbreitung biblischer Inhalte.  Er konnte mit Liedern unterrichten und biblisch-theologische Themen vermitteln (Nicht alle konnten lesen, aber Lieder lernte man schnell auswendig).  Lieder brachten den Inhalt viel schneller zum Herzen als der Verstand.  Und gemeinsames Singen stärkte die Gemeinschaft. Vor allem aber ging es um den geistlichen Effekt: Luther nannte die Musik „Medizin gegen das Böse und Labsal gegen Verdruss“. 1530 schreibt er in einem Traktat „Über die Musik“: „…weil sie die Seelen fröhlich macht, weil sie den Teufel verjagt, weil sie unschuldige Freude weckt. Da­rüber vergehen die Zornanwandlungen, die Begierden, der Hochmut …“

Musik hat die Fähigkeit, etwas in uns zum Klingen zu bringen und das ganz besonders dann, wenn wir Gott anbeten. Das ist auch der Grund, warum Paulus uns in Eph. 5, 19 daran erinnert, wie wichtig geistliche Lieder sind, die wir in unseren Herzen singen und die von dort überströmen in lauten, fröhlichen Gesang. Christliche Gemeinde war immer singende Gemeinde. Schließlich ist unsere Nachricht „gut“ und wir haben so viel Grund zur Freude. Woran liegt es dann aber, dass uns das Singen zunehmend schwerer fällt? Es gibt manche Erklärung: Unsere Zeit ist so schnelllebig geworden, dass Melodien nie allen zusagen. Es wird im medialen Zeitalter weniger gesungen als früher. Und, die Zeiten sind gut, da singt man eh weniger… interessant, oder? Sollte uns in guten Zeiten das Singen nicht leichter fallen? Nun können Zeiten aus unterschiedlichen Gründen „gut“ genannt werden. „Gut“, in materieller Hinsicht, oder „gut“ in ganzheitlicher, geistlicher Hinsicht. Wie viele Menschen leben in unseren „guten Zeiten“ unsagbar einsam und traurig vor sich hin? Aber genau deshalb sagt Paulus:“Singt!“ Wahr ist, dass viele große Gesangsbewegungen in schweren Zeiten entstanden sind, wie der Gospel unter den schwarzen Sklaven Amerikas. Wer wirklich Ermutigung braucht, der weiß, welcher Segen vom Singen ausgehen kann. Wer dunkle Wolken vor sich herschiebt, der weiß, was eine Melodie aus Gottes Gegenwart bewegen kann.

„Singt“ also, schreibt Paulus. Nicht nur so ein wenig, nicht mit halber Kraft, oder mit angezogener Handbremse, sondern aus vollem Halse. Soli Deo Gloria. Allein Gott die Ehre.

Bastian Meyer

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Eph 5,19

„Damit das Wort Gottes auch durch den Gesang unter den Leuten bleibe. Wir suchen daher überall Dichter.“ (Martin Luther)

 

Quelle: Pastor Bastian Meyer – FeG Extertal (http://www.feg-extertal.de/nachrichten/einzelansicht/artikel/-fede2d4b05/)